Wie ein Siegelring lege mich um dein Herz
Der allmächtige und ewige Gott verlangt von der reinen Seele die Erfüllung einer Bitte und sagt: „Lege mich wie einen Siegelring um dein Herz“!
Ein bewährter Gottesfreund soll jederzeit einen Vorrat guter Bilder oder Sprüche haben, sie in seiner Seele hin und her zu wenden, damit sein Herz zu Gott entzündet werde.
Denn das ist das Höchste, was wir in diesem Leben haben können, dass wir oft an Gott denken, das Herz in ihn vertiefen, oft von ihm sprechen, seine liebevollen Worte in uns aufnehmen, um seinetwillen alle Dinge ihm überlassen und sie tun, ihn allein im Sinne haben. Unsere Augen sollen in Liebe zu ihm aufschauen, die Ohren sich seinem Willen öffnen, Herz, Sinne und Gemüt ihn voll Liebe umfassen. Erzürnten wir ihn, so sollen wir zu ihm flehen; legt er uns Schweres auf, so sollen wir darin ertragen; verbirgt er sich, so sollen wir ihn, den Geliebten, suchen und nicht ablassen, bis wir ihn wieder und wieder finden. Haben wir ihn gefunden, so sollen wir ihn liebevoll und ehrenvoll bei uns behalten.
Wir mögen stehen oder gehen, essen oder trinken, stets sei das goldene Kleinod des Namens Jesu unseren Herzen eingezeichnet. Können wir nicht anders, so sollen wir ihn durch unsere Augen in unsere Seele prägen, seinen zarten Namen im Munde hin und her wenden, er soll wachend in unserem Denken so fest verankert sein, dass wir nachts davon träumen. Sprechen wir mit dem Propheten: Ach, geliebter Gott, ewige Weisheit, wie bist du der Seele, die dich sucht, dich allein begehrt, so gut!
Das, seht, ist die beste Übung, die ihr vornehmen könnt; denn die Krone aller frommen Übung ist das Gebet, und alles Übrige ist darauf als auf sein Ziel zu richten. Was tun die Bewohner des Himmels anderes als den Geliebten anschauen, lieben und loben?
Je liebevoller wir also den Herrn, unseren Gott, die ewige Weisheit, an unser Herz drücken, je häufiger wir sie anblicken, je traulicher wir sie in unser Herz einschließen, um so gütiger werden wir hier und in der ewigen Seligkeit von ihr umfangen werden.
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Dienstag, 12. Juli 2011
Dienstag, 24. Mai 2011
Deutsche Dominikaner und das Herz Jesu: Seliger Heinrich Seuse
Heinrich Seuse (1295-1366) trat mit 13 Jahren in den Dominikanerorden ein. Er studierte in Konstanz, Straßburg und in Köln, wo er ein Schüler Meister Eckharts war, den er zeitlebens verehrte. Seine Weisheit, sein Mitgefühl und sein Einfühlungsvermögen machten ihn zu einem großen Seelsorger. Durch strengste Kasteiung um Gelassenheit und Selbstbeherrschung ringend, wurden ihm Visionen, Entrückungen und himmlische Einsichten zuteil, die in bedeutenden Schriften ("Büchlein der ewigen Wahrheiten" und das "Büchlein der Weisheit") niedergelegt sind. Wie tief Seuse die Bedeutung des göttlichen Herzens erfasste, zeigt er in den Worten, mit denen er sich in seinem Büchlein von der Ewigen Weisheit an diese wendet:
O Herr, du hast nicht allein den Tod für mich gelitten, du hast auch das Allerinnerste, das Allertiefste, das Verborgenste aller Liebe gesucht, in dem man Leiden erwählen kann oder mag. Du hast so recht getan, als ob du sprächest: „Schauet alle Herzen, ob je ein Herz so voll Liebe war! Sehet, wären alle mein Glieder das edelste Glied, das an mir ist, mein Herz nämlich: ich wollte es ganz verwunden und töten und aufreißen und in kleine Stücke zermalmen lassen, dass nichts in mir noch an mir bliebe, das ich nicht hingeopfert hätte, damit ihr meine Liebe erkennen möchtet.“
Ein anderes Mal lässt er die Ewige Weisheit sprechen: „Du sollst dich in meine aufgeschlossene Seite zu dem liebewunden Herzen in Liebe verschließen und darin zu wohnen und zu bleiben suchen. Dann will ich mich mit dir verbinden und dich ewiglich mit mir vereinigen.“
Bei der Vorbereitung auf die Heilige Kommunion verlangt er danach: Ach, süßer Herr, „dass ich aus meines Geliebten offenen Wunden, von seinem Herzen ein einziges Bluttröpflein empfangen dürfte!“ Die Ewige Weisheit antwortet: „Die Seele soll mir singen den Gesang von Zion, das ist ein inniges Lieben und endloses Loben; dann will ich sie umfangen und an mein Herz neigen.“
Eines Tages war ihm, wie wenn das göttliche („väterliche“) Herz in geistiger Weise, ich weiß nicht wie, ganz unmittelbar an sein Herz geneigt und dass sein Herz ganz zum göttlichen Herzen in innigem Verlangen erschlossen war, und es schien ihm, als ob das göttliche Herz, die Ewige Weisheit, voll Liebe und ohne Worte zu seinem Herzen spräche. Er erhob sich und sprach voll Jubel in geistlichem Frohlocken: „Wohlan, geliebtes Lieb, so löse ich nun mein Herz von allem und in der vollkommenen Loslösung von allem Geschaffenen umfange ich deine unsichtbare Gottheit“
-o-
Ich bitte dich, mein Herr, dass du uns ganz verwundest mit den Schmerzen deines Herzens. Lass dein Herz als wahres Liebeszeichen deiner Güte so tief uns eingedrückt werden, wie du es ja dem liebenden Verlangen eines aufrichtigen Herzens gegeben hast
O Herr, du hast nicht allein den Tod für mich gelitten, du hast auch das Allerinnerste, das Allertiefste, das Verborgenste aller Liebe gesucht, in dem man Leiden erwählen kann oder mag. Du hast so recht getan, als ob du sprächest: „Schauet alle Herzen, ob je ein Herz so voll Liebe war! Sehet, wären alle mein Glieder das edelste Glied, das an mir ist, mein Herz nämlich: ich wollte es ganz verwunden und töten und aufreißen und in kleine Stücke zermalmen lassen, dass nichts in mir noch an mir bliebe, das ich nicht hingeopfert hätte, damit ihr meine Liebe erkennen möchtet.“
Ein anderes Mal lässt er die Ewige Weisheit sprechen: „Du sollst dich in meine aufgeschlossene Seite zu dem liebewunden Herzen in Liebe verschließen und darin zu wohnen und zu bleiben suchen. Dann will ich mich mit dir verbinden und dich ewiglich mit mir vereinigen.“
Bei der Vorbereitung auf die Heilige Kommunion verlangt er danach: Ach, süßer Herr, „dass ich aus meines Geliebten offenen Wunden, von seinem Herzen ein einziges Bluttröpflein empfangen dürfte!“ Die Ewige Weisheit antwortet: „Die Seele soll mir singen den Gesang von Zion, das ist ein inniges Lieben und endloses Loben; dann will ich sie umfangen und an mein Herz neigen.“
Eines Tages war ihm, wie wenn das göttliche („väterliche“) Herz in geistiger Weise, ich weiß nicht wie, ganz unmittelbar an sein Herz geneigt und dass sein Herz ganz zum göttlichen Herzen in innigem Verlangen erschlossen war, und es schien ihm, als ob das göttliche Herz, die Ewige Weisheit, voll Liebe und ohne Worte zu seinem Herzen spräche. Er erhob sich und sprach voll Jubel in geistlichem Frohlocken: „Wohlan, geliebtes Lieb, so löse ich nun mein Herz von allem und in der vollkommenen Loslösung von allem Geschaffenen umfange ich deine unsichtbare Gottheit“
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Ich bitte dich, mein Herr, dass du uns ganz verwundest mit den Schmerzen deines Herzens. Lass dein Herz als wahres Liebeszeichen deiner Güte so tief uns eingedrückt werden, wie du es ja dem liebenden Verlangen eines aufrichtigen Herzens gegeben hast
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